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Otto E. Rössler – Zum 70. Geburtstag

von Redaktion am 21. Mai 2010

Otto E. Rössler ist ein promovierter Mediziner und erblickte am 20. Mai 1940 in Berlin das Licht dieser Welt. International bekannt wurde er zunächst durch seine Studien im Bereich der Chaosforschung. Für den von ihm beschriebenen und nach ihm benannten Rössler-Attraktor wurde er 2003 mit dem Chaos Award der University of Liège ausgezeichnet. Er ist Träger des Preises der Systems Research Foundation, Canada (1995) und des René Descartes Award (2003). Anfang der neunziger Jahre überschreitet Rösslers akademische Laufbahn ihren Zenit. Seine Projekte verlieren zunehmend an wissenschaftlicher Relevanz und verlagern sich in die privaten Elfenbeintürme des Tübinger Exzentrikers.

Otto E. Rössler am LHC, Juli 2008 (Quelle: CERN)

Otto E. Rössler, Gabriele Schröter, Rolf Landua, Lisa Lehmann am LHC, Juli 2008 (Quelle: CERN)

Sein wissenschaftlicher Abstieg korreliert mit den Auseinandersetzungen, die er gegen die wissenschaftliche Gemeinde an seiner Heimatuniversität Tübingen austrägt. Im Jahr 2005 wird Rössler emeritiert. Rössler wirkt fortan weitgehend unbeachtet, bis er 2008 auf den Zug der irrationalen Weltuntergangsspekulationen aufspringt, der sich angesichts der bevorstehenden Inbetriebnahme des Large Hadron Colliders (LHC) am CERN bei Genf formiert.

Mit der eigenwilligen Hypothese, einen Beweis dafür zu besitzen, dass ein am LHC entstehendes Mini Black Hole seine erdzerstörende Wirkung entfalten muss, gelingt Rössler ein comeback in der öffentlichen Wahrnehmung. Diese sachlich völlig ungerechtfertigte Resonanz fliegt Rössler über eine unkritische aber quotenwillige Adaption der Redaktionen auch sonst eher seriöser Medien in den Monaten April bis Juli 2008 wie von selbst zu.
Noch im selben Jahr wird Rössler in einer nahezu beispiellosen Intervention durch die wissenschaftliche Gemeinde in die Realität zurückgeholt. Die neuerliche Affäre Rössler, die einen Tiefpunkt des professionellen Journalismus darstellt, ist mittlerweile auf ein Umfeld wissenschaftsferner Unterstützer zurückgeworfen.

70 Jahre und kein bisschen weise? Otto E. Rössler hat seine Widerlegungen nie anerkannt. Mit abenteuerlichen und zunehmend abwegigen Aufrufen versucht sich der Tübinger Chaot in der öffentlichen Wahrnehmung zu halten. Zu seinem Geburtstag spendiert RelativKritisch dem Jubilar eine lose Folge von Beiträgen, die Rösslers Motiv und Kampf gegen die akademischen Institutionen dokumentiert.

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